Geertjan en Nathalie Kloosterboer

„Der Hof verbindet uns, er ist unsere Leidenschaft.“

7. November 2019

Wir wollten lieber etwas ausprobieren, was vielleicht nicht funktioniert, als eine Chance zu verpassen. Ich finde es schön, dass ich einen Bauern gefunden habe, der über den Tellerrand hinausschauen kann. Wenn wir etwas machen, dann machen wir es ganz, nicht halb. Darin ergänzen wir uns zu 100 Prozent. Wir geben uns gegenseitig Energie.

Sie findet, dass er ein Bauer mit Weitblick ist; er schätzt sie, weil sie ein Energiebündel ist. „Geht nicht gibt‘s nicht.“ 
Auf boerderij.nl berichten die Spinder-Galionsfiguren Geertjan und Nathalie Kloosterboer über die Liebe zu ihrem Beruf und ihrem Hof.

Geertjan

Seit sechs Jahren wohnen wir ganz auf dem Hof. Weil die Stadt immer näher rückt, schauten wir uns um und entschieden uns ganz bewusst dafür, hier weiterzumachen. Wir sind in unmittelbarer Nähe der Autobahn A1, das haben wir uns zunutze gemacht. Im neuen Stall können wir viele Menschen empfangen; ich mache gerne noch Sachen extra. Zum Beispiel: Förderungsveranstaltungen für unseren Sektor, Führungen geben und Laserspiele organisieren. Das macht mir Spaß. Wenn ich nur meine Kühe hätte, würde ich verrückt werden.  



Geertjan (39) und Nathalie (37) Kloosterboer leben mit ihren Söhnen Finn (10), Mats (8) und Kay (5) in Oxe bei Deventer (Ov.). Dort haben sie einen Hof mit 120 Milchkühen und 62 Hektar Land. Daneben machen sie Hofführungen und empfangen Gruppen, von Meetings bis zu Kinderpartys – Foto: Ronald Hissink.

Ich bin Landwirt mit Leib und Seele, aber wenn es darauf ankommt, steht sie an erster Stelle.

Nathalie und ich haben darüber gesprochen, welche Rolle der Hof in unserer Beziehung spielt. Ich fragte sie: „Ich bin Bauer; willst du dich wirklich darauf einlassen? Wenn eine Kuh kalbt, dann will ich dabei sein. Wenn ich da Zugeständnisse machen müsste, würde ich es nicht richtig machen.
Der Hof ist immer da. Wieder mal zu spät zur Geburtstagsparty zu kommen, weil ein Kalb geboren wurde – das wird immer so bleiben. Es ist nun mal so, dass ich mit Leib und Seele Bauer bin, aber wenn es darauf ankommt, hat sie natürlich Vorrang. Dass Nathalie nicht aus der Landwirtschaft kommt, sehe ich als Vorteil. Es hat etwas Erfrischendes, dass sie einen anderen Horizont hat als ich. Was die Betriebsführung betrifft, denke ich eher traditionell; da bin ich dankbar für ihre originellen Ideen. Dank ihr haben wir Blühstreifen. Das kostet mich zwar vier Reihen Mais, aber ich finde es super.

Sie hat enorm Power, „geht nicht" gibt es nicht bei ihr.

Streit haben wir eigentlich nie. Höchstens, dass wir uns beide einmal etwas in den Kopf gesetzt haben; dann einigen wir uns darauf, uneinig zu sein. Sie möchte zum Beispiel, dass der Blühstreifen dreimal so groß wird, dann treffen wir uns am Ende in der Mitte. Wir haben beide immer viel zu tun, auch abends. Wir haben ein Notizbuch voller Ideen, von denen wir einige ab und zu umsetzen. Sie ist das Gehirn hinter kreativen Ideen; mein Teil sind die praktische Ausarbeitung, die Genehmigungen und der Geschäftsplan. Sie hat enorm Power, „geht nicht“ gibt es nicht bei ihr. Nathalie hat die Kälber von meiner Mutter übernommen, und das macht sie gut. Sie muss aber schon aufpassen, dass sie sich nicht übernimmt. Ich selbst versuche, einen Tag immer zu 120 Prozent auszufüllen, und dadurch komme ich öfter mal zu spät. Wenn ich einmal zu früh bin, schiebe ich noch schnell etwas dazwischen, und dann bin ich doch wieder zu spät. So, wie der Hof jetzt läuft, schweißt uns das zusammen. Das klappt, weil wir mit Leidenschaft bei der Sache sind.


Nathalie

„Wir kennen uns seit der Schulzeit. Ich machte Floristik, er Viehhaltung. Dass er Bauer wurde, war für mich in Ordnung. Als es ernster wurde, sagte ich zu ihm: Aber wenn du jemals ins Ausland gehen willst, gehe ich nicht mit.
Ich war erst Angestellte, später hatte ich meine eigene Firma. Nach dem dritten Kind blieb ich zu Hause. Wenn man nicht auf einem Hof aufgewachsen ist, muss man schon etwas dafür übrig haben.

Er ist nicht der Typ, der den ganzen Tag auf dem Hof sein muss.

Ich sage nicht, dass ich immer alles toll finde, aber ich verstehe es. Neben den Nachteilen der Landwirtschaft gibt es auch Vorteile. Unsere Söhne mussten nicht in die Kinderbetreuung gehen, und wenn sie von der Schule nach Hause kommen, sind wir da. Geertjan ist nicht der Typ, der den ganzen Tag auf dem Hof sein muss. Er genießt die zweite Aufgabe: Menschen auf dem Hof. Wir wissen genau, was wir wollen und wie wir es wollen. Was wir machen, gefällt mir sehr gut, ich organisiere gerne oder mache Mittagessen für Gruppen. Wir sind ein echtes Team auf dem Hof, aber jeder macht sein eigenes Ding. So haben wir uns beim Kaffee immer etwas zu erzählen.

Ich rufe ihm manchmal nach: Denk dran, nicht zu kompliziert zu reden!

Es gefällt uns, Menschen von außen mit der grünen Branche in Kontakt zu bringen. Wenn Geertjan eine Gruppe begleitet, muss ich manchmal rufen: „Denk dran, nicht zu kompliziert zu reden!“ Aber wenn es uns gelingt, eine Gruppe – die glaubt, dass ihr der Agrarsektor völlig fremd ist – doch zu erreichen, dann ist das eine Befriedigung. Worin wir uns unterscheiden? Geertjan ist im Haus nicht so ordentlich, aber er findet wiederum, dass ich draußen keine Ordnung halten kann. Worin wir beide nicht gut sind, ist, uns Zeit für uns selbst zu nehmen. Es schätze Vieles an Geertjan: Er ist ein begeisterter, lieber Vater und offen für neue Ideen. Ich hätte bestimmt nicht so viel in Angriff genommen, wenn er nicht so positiv darauf reagieren würde.  Er hat einen Blick für Chancen. Wir haben lieber etwas ausprobiert, was vielleicht nicht funktioniert, als eine Chance zu verpassen. Ich finde es schön, dass ich einen Bauern gefunden habe, die über den Tellerrand hinausschauen kann. Wenn wir etwas machen, dann machen wir es ganz, nicht halb. Darin ergänzen wir uns zu 100 Prozent. Wir geben uns gegenseitig Energie.