"Die App hält Einzug im Stall"

4. Dezember 2019

Wer sich den neuen Standort von Spinder Dairy Housing Concepts in Drachten ansehen will, bringt am besten ein Fahrrad mit – für drinnen. Seit August arbeiten die Stall-Ausstatter in einem Gebäude, dessen Ausmaße einfach nur riesig sind. „Wir sind bereit für die Zukunft und eine stärkere Internationalisierung", so Jehannes Bottema nüchtern. Er ist der Direktor des Unternehmens. Auch die Wasserbetten für Kühe, die er uns zeigt, sind für ihn nichts Besonderes. „Neuerungen sind einfach Teil unseres Geschäfts.“

Wir sind bereit für die Zukunft und eine stärkere Internationalisierung", sagt Direktor Jehannes Bottema

Mit Neuerungen sichert man sich Aufmerksamkeit. Das gilt in jedem Fall auch für Spinder. Wir sind hier nicht nur wegen unseres Neubaus im Gespräch. Sondern vor allem auch wegen unserer vielfach ausgezeichneten Ideen.“ Auf internationalen Messen erregte die Cuddlebox für Kuh und Kalb Aufsehen. Ebenso das automatische Sicherheitssystem für Fressgitter auf App-Basis. „Die App hält Einzug im Stall. Aus einfachen Melkrobotern werden Roboter, die auf Knopfdruck komplexe Abläufe intelligent und vollautomatisch ausführen. Gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir ständig daran, derartige Innovationen zur Marktreife zu entwickeln.“

Komfort für Kunde und Kuh

Spinders Ausstattung für den Liegeboxenstall – das Lebensumfeld der Kuh also – ist immer intelligenter. „Sie ruht, frisst, trinkt und kotet dort ab. Sie wird ein paar Mal am Tag gemolken, ansonsten ist sie im Stall oder im Freien. Wir sorgen für ihr Wohlbefinden, indem wir die Stalleinrichtung so komfortabel wie möglich gestalten“ so Bottema. Beton ist zu hart für die Kuh. Und der Landwirte möchte natürlich, dass sie sich wohl fühlt. Sie lebt dann länger und gibt mehr Milch. „Ein Landwirt in England hat das Wasserbett erfunden. Wir haben es dann gemeinsam mit der Gummifabrik Dunlop weiterentwickelt. Darüber hinaus stellen wir zusammen mit Avek aus Matratzenresten neue Matratzen für Kühe her. Ein gutes Beispiel für Wiederverwendung, und der Kunde hat eine Auswahl".

Damit Kunden nicht lange auf ihre Bestellung warten müssen, hat Spinder fast alles immer auf Lager. Darum ist das 1973 gegründete Unternehmen auch von Harkema nach Drachten umgezogen „Das Lager hier ist so groß, dass unser Logistik-Prozess stark formalisiert werden muss.“ Beides, Freude und Gelassenheit sind dem Direktor Bottema deutlich anzuerkennen. Das kann er auch sein. Er hat ein Team von 50 gut ausgebildeten und hoch motivierten Mitarbeitern im Rücken. „Unsere Mitarbeiter sind engagiert, und viele von ihnen sind schon lange bei uns. Sie machen die Stärke unseres Unternehmens aus.“

Internationalierung

Eigene Ideen werden bei Spinder mit Ideen und Tipps von Tierärzten und Landwirten kombiniert. Unsere preisgekrönte Cuddlebox haben wir gemeinsam mit Tierärzten entwickelt. In ihr können Kuh und Kalb nahe beieinander liegen. Das Futter für die Kuh wird auf das Kalb geworfen, damit die Kuh das Kalb leckt und ihm Aufmerksamkeit schenkt. Außerdem wird die Kuh hier gemolken, damit sie beim Kalb bleiben kann.“ Das Fressgitter, durch das die Kuh ihren Kopf zum Fressen steckt, ist ebenfalls ein Eigenprodukt aus dem „Stall“ Spinder. „Die Niederlande sind bei solchen Entwicklungen führend. Aber wegen der Vorschriften für Phosphat und Stickstoff ist der niederländische Markt weniger positiv.“

Deshalb entschied sich Spinder 2016 dafür, vermehrt auf der internationalen Bühne tätig zu werden. Aus „Spinder Stalinrichting“ wurde „Spinder Dairy Housing Concepts“. „Stalleinrichtung ist ein Volumenmarkt. Unser Absatzgebiet ist hauptsächlich Europa, sonst werden die Transportkosten zu hoch.“ Jedes Jahr verlassen etwa elftausend Wasserbetten das Haus. Tausende von Metern Fressgitter und 65 Kilometer Rohre sind allein in Harkema auf Lager. „Wir können liefern, wann immer der Landwirt es wünscht und was er sich wünscht. Weil für ihn ist die Situation ganz einfach: ‚Mein Stallgebäude ist so und so groß. Da muss es hineinpassen.‘ Aus unserem breiten Sortiment an Standard- und Sonderkomponenten wählt der Landwirt, was er braucht.“

Mit den Kühen hat Spinder schon alle Hände voll zu tun – anderes Vieh kommt daher nicht in Frage. „Wir brauchen keine breitere Basis: Wir wollen wachsen und das Ausland intensiver bedienen. Aber wir arbeiten natürlich auch gerne mit Betrieben aus der Region zusammen. Was sich in der Nähe anbietet, brauchen wir nicht in der Ferne zu suchen.“ Bottema blickt zufrieden in die Runde. Die Wiege Harkema ist nur einen Steinwurf entfernt, und Spinder orientiert sich von Drachten aus auf den Export und die Zukunft. Die Zukunftserwartungen sind bestens. Insbesondere auch für die Kühe.

Publikation: Ondernemend Friesland