Das Image von den schlechten Bedingungen im Kuhstall wird der Realität häufig nicht gerecht.

Über das Tierwohl in der Milchviehhaltung

Die Milchviehhaltung gerät in der öffentlichen Diskussion regelmäßig unter Beschuss. So würden Landwirte ihre Tiere nicht optimal versorgen und pflegen, und Milchkühe seien allgemein unter schlechten Bedingungen untergebracht. Für Jehannes Bottema und Rudmer Hilverda von Spinder Dairy Housing Concepts wird dieses Image der Realität oft nicht gerecht.

 

Herr Hilverda, wie steht es um das allgemeine Tierwohl in der niederländischen Milchviehhaltung?

Hilverda: „Ich denke, dass die niederländische Milchviehhaltung im Bereich des Tierwohls sehr fortschrittlich ist. Das zeigt sich an der durchschnittlichen Lebensdauer der Tiere und der niedrigen Austauschrate beim Milchvieh. Nicht alle, aber wohl die meisten Milchviehhalter in den Niederlanden arbeiten von Generation zu Generation mit voller Leidenschaft an der Aufzucht von Färsenkälbern zu gesunden Milchkühen. Das bereitet den gängigen Milchviehbetrieben in den Niederlanden enorme Erfüllung und Arbeitsfreude – auch weil es sich zumeist um Familienbetriebe handelt.“


Herr Bottema, woher kommt das negative Urteil vieler Verbraucher über die heutigen Bedingungen in der Milchwirtschaft?

Bottema: „In der Bevölkerung herrscht viel Unverständnis für die Arbeit und die Belange von Milchviehhaltern, was häufig auf Fehlinformationen oder einseitige Berichterstattung in den Medien zurückzuführen ist. So wird beispielsweise darüber geschrieben, dass Megaställe mit dem Tierwohl nicht vereinbar seien, was so aber pauschal nicht korrekt ist. Megaställe werden in der Regel nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst und eingerichtet. Die Kühe haben dort genügend Platz und es gibt ausreichend Licht und frische Luft.

Ein anderer Grund für das Unverständnis ist, dass die Mehrzahl der niederländischen Verbraucher keinen direkten Bezug mehr zu Landwirten in der Milchviehhaltung hat. Wo früher noch Freunde oder Verwandte in der Branch beschäftigt waren und man einfach ins Gespräch kam, fehlt dieser persönliche Austausch heute häufig. Das Verständnis für die Motivation, die Arbeit und für die Belange von Milchviehhaltern ist entsprechend gering. Es geht also um Kritik von Außenstehenden, die häufig nicht begründet ist. Denn sehr viele Dinge sehen simpel aus, so lange man sie aus der Distanz betrachtet.“

 

Herr Bottema, leidet denn das Tierwohl nicht unter dem Wunsch der Bauern, dauerhaft möglichst hohe Erträge mit dem Milchvieh zu erzielen?

Bottema: „Sehen Sie, das Bestreben nach hohen Erträgen steht nicht im Widerspruch zum Tierwohl. Ganz im Gegenteil! Das Tierwohl ist in der Milchindustrie einer der wichtigsten Parameter überhaupt. Nur eine Kuh, die sich wohl fühlt und gesund ist, erzielt auch gleichbleibend hohe Erträge. Alles andere passt nicht zu einer gesunden Betriebsführung.

Darüber hinaus ist die Behandlung eines kranken Tieres eine unangenehme, zeitraubende und nicht selten kostspielige Prozedur. Das setzt die Betriebskontinuität in der Regel enorm unter Druck. Tierwohl und Produktivität sind also Belange, die permanent parallel ablaufen und sich gegenseitig bedingen.

Ich gebe Ihnen aber Recht, dass einzelne Landwirte bis heute noch nicht begriffen haben, dass eine ertragreiche Tätigkeit ein hohes Tierwohl voraussetzt. Diese versuchen wir aber aktiv mit unserem Marketing und immer höherwertigen Produkten zu überzeugen.“

 

Wie gehen Sie in Ihrem Unternehmen mit der Kritik an den Milchviehhaltern und der Milchwirtschaft um?

Hilverda: „Wir bieten verschiedene moderne Optionen bezüglich der Stalleinrichtung an, die den neuesten Erkenntnissen entsprechen. Wir sind vertraut mit den Richtlinien der ‘Maatlat duurzame veehouderij’ [ Messlatte für nachhaltige Viehhaltung], setzen uns mit den Viehhaltern an den Tisch und beraten diese entsprechend. Die Bauunternehmer errichten das Gebäude, die Melkmaschinen-hersteller liefern die Maschinen, und wir kümmern uns um das Konzept und um eine Einrichtung, die dem Schutz und dem Komfort von Landwirten und Tieren gleichermaßen gerecht wird.“

Bottema: “Unser Vorteil hier bei Spinder ist, dass wir in direktem Kontakt mit den Landwirten stehen und deren Aufgaben und Bedürfnisse gut verstehen. Wir entwickeln alle Stalleinrichtungsgegenstände hier bei uns im Haus, und achten bei allen unseren Produkten darauf, dass sie die Sicherheit und den Komfort sowohl für den Landwirt, als auch die Kuh erhöhen. Denn wenn der Viehhalter unzufrieden ist, bei der Ausführung bestimmter Tätigkeiten, dann wirkt sich das auch auf die Kühe aus. Also versuchen wir mit unseren Produkten und Ideen Win-Win-Situationen für Landwirte und Tiere zu schaffen.“